Nichts-Tun und Kreativität

#NichtsTun #Kreativität #Leere #Achtsamkeit #Entschleunigung

Kris­ti­na Mohr

Wie ich durch Leere Lebendigkeit entfache

Krea­ti­vi­tät ent­steht nicht im Stress. Sie braucht Raum. Lee­re. Eine Pau­se zwi­schen zwei Gedan­ken. Einen Moment, in dem nichts zu tun ist und nichts erwar­tet wird.

Ich erle­be das immer wie­der – als Musi­ke­rin, als Clow­nin, als Trai­ne­rin und sogar beim Kochen. Wenn ich gehetzt bin, wenn zu vie­le Ideen gleich­zei­tig durch den Kopf rasen, dann kann nichts Neu­es ent­ste­hen. Dann ist mein inne­res Sys­tem über­füllt, ohne Platz für fri­sche Impul­se.

Doch sobald ich mir Zei­ten des Nichts­tuns erlau­be, öff­nen sich uner­war­tet Türen: zu Ideen, zu Spiel­freu­de, zu Klang, zu Leben­dig­keit.

Die Leere vor dem Klang

Als Saxo­pho­nis­tin ken­ne ich die hei­li­ge Qua­li­tät der Stil­le. Kein Ton exis­tiert ohne das, was ihn umrahmt. Ein Stück Musik lebt von Pau­sen, von Atem­räu­men, von Momen­ten, in denen schein­bar nichts pas­siert.

Aus der Stil­le her­aus zu spie­len ist für vie­le Musi­ker ein hei­li­ger Akt – ein bewuss­tes Lau­schen in den Raum hin­ein, bevor ein ers­ter Ton auf­leuch­tet. Die Lee­re lädt ein, nicht zu machen, son­dern zu emp­fan­gen. Und genau dort beginnt Krea­ti­vi­tät: im Lau­schen.

Das Nichts als Startpunkt des Spiels

In der Clow­ne­rie ist das nicht anders. Vie­le Übun­gen begin­nen im „Nichts“ – und von dort aus bricht das Spiel wie ein Vul­kan her­vor. Die rei­ne Prä­senz, das stil­le Dasein, öff­net ein Feld, in dem Impul­se sich zei­gen dür­fen.

Acht­sam­keits­übun­gen, die z.B. nur dem Atem fol­gen, die­nen als Reset: Sie sam­meln die Auf­merk­sam­keit, klä­ren die Sin­ne und erlau­ben dem Kopf, still zu wer­den. Erst wenn innen Ruhe ent­steht, kann das Spiel auf­flam­men.

Ein wun­der­ba­res Bei­spiel ist das klas­si­sche Thea­ter­tool „Free­ze“: Alles friert ein. Kei­ne Bewe­gung, kein Wort, kein Wei­ter. Die­se Stil­le im Spiel setzt einen star­ken Fokus – sie schärft den Blick auf den Moment und berei­tet oft einen Rich­tungs­wech­sel vor. Nach dem Free­ze wird nichts ein­fach fort­ge­setzt, wie es war. Es ent­steht etwas Neu­es.

Trödeln als Praxis

Im All­tag habe ich mir ange­wöhnt, bewusst zu trö­deln. Das klingt selt­sam in einer Welt, die immer schnel­ler wird. Trö­deln – wie Kin­der es tun. Es bedeu­tet: in Zeit­lu­pe gehen, mei­nen Atem spü­ren, mein Gewicht, den Boden unter mei­nen Füßen. Mich trei­ben las­sen. Die Zeit ver­ges­sen.

Trö­deln heißt, Kon­takt zu mir auf­zu­neh­men – und dadurch emp­fäng­lich zu wer­den für das Krea­ti­ve, das in mir ent­ste­hen möch­te. Es ist mei­ne klei­ne Rebel­li­on gegen das Tem­po der Welt und mei­nen eige­nen Stress. Und mei­ne Ein­la­dung an das Leben­di­ge in mir, wie­der hör­bar zu wer­den.

Ich emp­feh­le es auch in mei­nen Work­shops und Coa­chings.

Warum das Nichts-Tun notwendig ist

Nichts-Tun ist kein Luxus, kein Still­stand und kei­ne Faul­heit. Es ist Nah­rung. Es ist wie Erde, die brach­liegt, damit sie wie­der frucht­bar wird.

In die­ser Lee­re ord­nen sich Gedan­ken, beru­hi­gen und ver­wan­deln sich Gefüh­le, ent­steht Platz. Und in die­sem Platz zei­gen sich die urei­ge­nen Impul­se, Bil­der, Klän­ge, Ideen, die vor­her kei­nen Raum hat­ten.

Als Diplom-Psy­cho­lo­gin beob­ach­te ich: Je vol­ler das Innen­le­ben ist, des­to weni­ger ent­steht. Krea­ti­vi­tät braucht Pau­sen. Spie­ler brau­chen Zwi­schen­räu­me. Musi­ke­rin­nen brau­chen Stil­le. Men­schen brau­chen Momen­te, in denen sie nicht per­for­men, son­dern ein­fach sein dür­fen.

Pro­bie­ren Sie es gleich mal aus, stel­len den Wecker auf 1 Minu­te und schlie­ßen die Augen, oder schau­en aus dem Fens­ter. Beim nächs­ten Mal neh­men Sie viel­leicht gleich 5 Minu­ten?

Die Kreativität öffnet sich im Nichtstun

Wenn ich aus der toxi­schen Pro­duk­ti­vi­tät her­aus­tre­te und mir Lee­re erlau­be, ent­steht nicht weni­ger – son­dern mehr. Mehr Fan­ta­sie, mehr Klang, mehr Spiel, mehr Mög­lich­kei­ten. Nichts-Tun wird zur Quel­le. Zur Grund­la­ge für alles, was aus mir her­aus möch­te.

Nichts ist pro­duk­ti­ver als der Moment, in dem ich nichts pro­du­zie­re.

Dort war­tet das Krea­ti­ve.

Es klopft lei­se – und braucht nur Raum, um gehört zu wer­den.

healthstyle


Über die Autorin Kris­ti­na Mohr:

Kris­ti­na Mohr ist Diplom-Psy­cho­lo­gin, Clow­nin (TuT) und Saxo­pho­nis­tin. Sie ver­bin­det in ihrer Arbeit psy­cho­lo­gi­sches Know-How, künst­le­ri­sche Aus­drucks­kraft und Acht­sam­keits­pra­xis zu einem ganz­heit­li­chen Ansatz für Musik, Krea­ti­vi­tät, Leben­dig­keit und Prä­senz.

Auf der Büh­ne wie im Work­shop inspi­riert sie Men­schen, ihre eige­ne Spiel­freu­de, Musi­ka­li­tät und inne­re Leben­dig­keit zu ent­de­cken. Sie arbei­tet als Trai­ne­rin für Clow­ne­rie, Ent­span­nung und Clowns­kom­pe­ten­zen in kon­takt­in­ten­si­ven Beru­fen in Deutsch­land und Grie­chen­land und inte­griert dabei gezielt Pha­sen des Nichts-Tuns, um krea­ti­ve Poten­zia­le zu ent­fal­ten.

kristinamohr.de
saxofool.de

Bei­trags­bild: © canva.com, Autoren­fo­to: © pri­vat

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