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Priv.-Doz. Dr. med. Holger C. Bringmann
Was uns innerlich antreibt
Warum helfen wir anderen, auch wenn wir erschöpft sind? Warum folgen wir einem leisen inneren Impuls, den wir nicht vollständig erklären können – nur um später zu erkennen, dass es genau das war, was nötig war? Motivation ist mehr als Wunsch, Disziplin oder Belohnung. In ihrer tiefsten Ebene entspringt sie einer subtilen inneren Bewegung, die uns mühelos trägt und zu Handlungen führt, die sich von Natur aus richtig anfühlen. Die Psychologie unterscheidet zwischen extrinsischer und intrinsischer Motivation. Es gibt jedoch noch eine dritte Dimension – die seelische Motivation –, die nicht aus dem persönlichen Willen entsteht, sondern aus der Resonanz zwischen unserem Inneren und dem Leben selbst. In solchen Momenten handeln wir nicht auf die Welt ein, sondern lassen das Leben durch uns wirken. Spirituelle Praxis kann diesen Zugang kultivieren – nicht nur, um uns inspiriert zu fühlen, sondern um zu Instrumenten der Heilung, Verantwortung und kreativen Präsenz zu werden.
Was uns wirklich bewegt – zwischen äußeren Impulsen und innerer Stimmigkeit
Was hält uns in schwierigen Zeiten am Handeln fest? Was ermöglicht es uns, ohne Druck oder Belohnung klar und achtsam zu handeln? Viele Menschen kennen Momente, in denen der nächste Schritt offensichtlich erscheint – ohne innere Debatte, begleitet von einer stillen Gewissheit. Erst später erkennen wir die tiefere Richtigkeit dessen, was sich ereignet hat.
Eine der grundlegendsten Unterscheidungen in der Psychologie ist die zwischen extrinsischer und intrinsischer Motivation. Extrinsische Motivation bezieht sich auf Handlungen, die durch externe Ergebnisse motiviert sind. Dazu können materielle Belohnungen, Anerkennung, Zustimmung oder der Wunsch gehören, Kritik oder Bestrafung zu vermeiden. Intrinsische Motivation hingegen beschreibt den Antrieb, der aus dem Inneren kommt. Wir handeln nicht, weil wir müssen, sondern weil die Tätigkeit selbst erfüllend, interessant oder sinnvoll ist.
Die Selbstbestimmungstheorie von Edward Deci und Richard Ryan beschreibt Motivation als Kontinuum der Internalisierung: von äußerer Regulierung und Gefühl des „Getrieben-Seins“ bis hin zu einer Haltung, in der Verhalten als Ausdruck der eigenen Werte erlebt wird. Autonomie, Kompetenz und Verbundenheit gelten als Grundbedürfnisse gesunder Motivation. Wenn Menschen das Gefühl haben, wirksam handeln zu können, sich verbunden zu fühlen und ihr Handeln selbst gewählt zu haben, entsteht eine innere Qualität von „Ja, das bin ich“, die über bloße Leistungsorientierung hinausgeht. Werden äußere Ziele bewusst reflektiert und emotional integriert, können sie zu inneren Verpflichtungen werden.
Empirische Studien zeigen konsistent, dass intrinsische Motivation Kreativität, Lernprozesse und emotionales Wohlbefinden stärkt. Eine große Metaanalyse von Cerasoli und Kollegen belegt, dass intrinsische Motivation insbesondere die Qualität von Leistungen vorhersagt, während extrinsische Einflüsse eher Quantität und Geschwindigkeit betreffen. Dieser Unterschied macht deutlich, dass innere Bewegtheit mit Präsenz, Fürsorge und einer klaren Verbindung zum Wert des Handelns einhergeht.
Erfahrungen jenseits des Willens
Gleichzeitig gibt es Erfahrungen, die sich mit psychologischen Modellen allein nicht vollständig erfassen lassen. Menschen berichten von Momenten, in denen Handlungen nicht aus bewusster Entscheidung entstehen, sondern aus einem Gefühl innerer Stimmigkeit, Tiefe und Klarheit. Das gewohnte Erleben von Anstrengung weicht einer stillen, unaufgeregten Bewegung, die sich wesentlich und authentisch anfühlt. Es ist geradezu so, als würden wir nicht selbst handeln, und doch genau das Gewünschte erreichen. Diese Momente können in kreativen Prozessen, in der Meditation, im Dienst am anderen oder im einfachen Innehalten des Alltags auftreten. Sie werden als sinnvoll erlebt, ohne zielorientiert zu sein; als kraftvoll, ohne drängend zu wirken; als ruhig und zugleich hoch präsent und wirksam. Im Taoismus finden wir das Verständnis von „Tue viel, erreiche wenig. Tue wenig, erreiche viel. Tue nichts, erreiche alles.“
Viktor Frankl beschreibt dieses Feld in seinem Konzept des Willens zum Sinn. Menschen streben nach Bedeutung, nicht primär nach Vergnügen oder Macht. Maslow ergänzte seine Bedürfnishierarchie um die Ebene der Selbsttranszendenz – einen Zustand, in dem Individuen nicht mehr vor allem an der eigenen Selbstverwirklichung orientiert sind, sondern sich als Teil eines größeren Ganzen erleben und handeln. Motivation entsteht dann aus Präsenz, nicht aus einem angestrengten Wollen, aus Sein statt Tun. Es geht weniger darum, etwas zu werden, sondern darum, mit dem in Kontakt zu sein, was bereits wahr ist und durch uns Gestalt annehmen möchte.
Diese Beobachtungen verweisen auf eine dritte Form der Motivation. Sie entsteht, wenn wir still genug werden, um Impulse wahrzunehmen, die nicht aus dem denkenden Geist stammen, sondern aus einer tieferen Quelle unserer Erfahrung. Sie erfordert Aufrichtigkeit und Achtsamkeit, nicht Anstrengung. Sie lässt sich nicht kontrollieren, sondern nur in der Tiefe fühlen und bejahen, ohne an ihr zu zerren. Ihre Qualität ist Resonanz – eine Bewegung der Seele, die uns in Übereinstimmung mit etwas Größerem handeln lässt und in der wir uns zugleich geführt und verantwortlich fühlen.
Die ursprüngliche Bewegung der Seele – Śiva und Śakti
Wenn Motivation aus größerer Tiefe entsteht, stellt sich die Frage: Woher kommt sie? Die non-dualen Traditionen des Vedānta und Tantra bieten eine eigenständige Antwort, indem sie Bewusstsein nicht als Nebenprodukt der Materie verstehen, sondern als grundlegende Realität des Kosmos – strahlend, intelligent und schöpferisch. Die Natur des Absoluten wird als sat–cit–ānanda beschrieben: Sein, Bewusstsein und Glückseligkeit. Diese Glückseligkeit ist kein flüchtiger Gefühlszustand, sondern Ausdruck innerer Fülle und Gegenwärtigkeit.
Das Universum entsteht nach dieser Sichtweise aus einer Bewegung des Bewusstseins, das sich selbst erfahren will, vergleichbar einem Licht, das sich nicht damit begnügt zu leuchten, sondern seine Strahlen in den unzähligen Formen des Kosmos spiegelt.
Diese subtile Bewegung wird als spanda bezeichnet – als Schwingung, Puls oder innerste Vibration. Sie ist der erste Ausdruck des Willens, der Herzschlag der Schöpfung, das feine Zittern im Hintergrund aller Formen. Śakti, die dem Bewusstsein innewohnende Energie, macht diese Bewegung wirksam. Śiva ist der stille Zeuge, Śakti seine Ausdruckskraft in Energie und Materie.
In diesem Zusammenhang ist seelenvolle Motivation keine Funktion des individuellen Egos, sondern eine Welle innerhalb des größeren Feldes des Bewusstseins. Es ist dieselbe Kraft, die Galaxien und Samen, Gedichte und Gesten erzeugt und bewegt. Wenn wir diese Bewegung in uns spüren, initiieren wir sie nicht. Wir nehmen an ihr teil, sind ihr Kanal und Ausdruck in unserem Körper, in unserem Alltag, in unserer Welt.
In dieser Sichtweise wird Motivation nicht in erster Linie als Reaktion auf etwas noch zu Erreichendes verstanden, sondern als natürlicher Ausdruck des Bewusstseins. Sie ist das ursprüngliche „Ja“ des Seins zu sich selbst und dem Wunsch, sich selbst im eigenen Ausdruck zu erfahren: ein kosmisches „Wer bin ich?“, in dem die Antwort gleich mit enthalten ist.
Maslow und Frankl deuten ähnliche Zusammenhänge an: Die Quelle der Motivation verschiebt sich von der Persönlichkeit zur Präsenz hinter ihr. In Momenten innerer Stille und Vertiefung wird diese Präsenz erfahrbar – als Richtung, als Resonanz, als tiefes Wissen darum, was jetzt ansteht und automatisch geschieht, wenn wir loslassen.
Seelenvolle Motivation kultivieren – ein Weg der inneren Ausrichtung
Seelenvolle Motivation lässt sich nicht erzwingen, doch wir können Bedingungen schaffen, in denen sie leichter erfahrbar wird. Innere Klarheit entsteht, wenn Körper, Geist und Energie miteinander in Einklang kommen und nicht permanent von Reizüberflutung oder inneren Konflikten überlagert werden. Moderne Ansätze zur Heilung erkennen zunehmend, dass Wohlergehen mehr umfasst als Stressreduzierung: Es entsteht aus einer stimmigen Lebensweise, aus ethischer Haltung und aus regelmäßiger Praxis.
Ein Beispiel hierfür ist Meditation-Based Lifestyle Modification (MBLM). Das Programm verbindet klassische Elemente der Yoga-Philosophie mit modernen gesundheitsbezogenen Strategien. Die drei Säulen – ethisches Leben, gesunder Lebensstil und Mantra-Meditation – bilden eine Struktur, die auf die Transformation des ganzen Menschen ausgerichtet ist. Gewaltlosigkeit, Wahrhaftigkeit, Mäßigung und Zufriedenheit beruhigen das Nervensystem und schaffen innere Stimmigkeit. Eine rhythmische Tagesstruktur, bewusste Bewegung, Atemübungen und eine leichte, typgerechte Ernährung fördern körperliche und psychische Stabilität. Die Mantra-Praxis schafft schließlich einen stillen Resonanzpunkt, der die Seele im Zentrum des eigenen Bewusstseins verankert und einen Raum eröffnet, in dem tiefere Impulse wahrgenommen werden können.
Mit wachsender innerer Kohärenz wird seelenvolle Motivation spürbarer. Wir beginnen Bewegungen zu bemerken, die nicht aus Begierde oder äußerem Druck entstehen, sondern wie eine Strömung wirken, die bereits im Gange ist. In Ausrichtung zu leben bedeutet, empfänglicher zu werden: Die Energie der Seele kann sich freier ausdrücken. Wird dieser Funke mit Aufrichtigkeit und Hingabe gepflegt, wird er zu einer konkreten Kraft im Leben.
Indische Weisheitstraditionen bieten Wege zur Vertiefung dieser Prozesse. Das moderne, auf diesen Traditionen beruhende Sai Shakti Healing System von Sri Kaleshwar verbindet Bewusstsein und Energie, Śiva und Śakti, durch Mantra, Sankalpam und die Arbeit mit den fünf Elementen. Öffnen sich innere Kanäle, kann höhere Energie freier fließen – eine Ressource, die besonders für Menschen in helfenden Berufen bedeutsam sein kann, weil sie sowohl die eigene Resilienz stärkt als auch die Fähigkeit, heilsam präsent zu sein.
Dies ist keine Frage des Glaubens, sondern der Erfahrung, die sich aus der Praxis ergibt. Wenn sich die Verbindung zur Seele vertieft, wachsen Klarheit, Mitgefühl und Präzision. Das alte Ideal, ein Kanal für göttliche Energie zu sein – das Heilige im Denken, Sprechen und Handeln wirken zu lassen – wird von einem Bild zu einer realen Möglichkeit. Der göttliche Funke wird zu einem leuchtenden Zentrum, das nicht für das Ego wirkt, sondern im Dienst von etwas Größerem stehen kann und unser Handeln in einen weiteren Horizont stellt.
Fazit
Seelische Motivation wird dort fühlbar, wo Bewusstsein, Präsenz und Lebensführung in Einklang kommen. Sie ist keine Anstrengung, sondern eine Resonanz mit einer tieferen Wirklichkeit, die sich bereits durch uns ausdrücken möchte. Je klarer und geordneter wir werden, desto deutlicher kann dieser innere Funke wirken – als Orientierung, als Kraft und als Quelle eines Handelns, das dem Leben entspricht und es in uns und anderen unterstützt. „Tue nichts, erreiche alles.“
Impulse zur Rückverbindung mit deiner seelischen Motivation
Stille. Jeden Tag 5 Minuten still sitzen – nichts erwarten, nur fühlen, sich tiefer sinken lassen.
Ziel im Herzen. Stelle dir nicht die Frage „Was will ich tun?“, sondern: „Was will durch mich wirken?“
Dienen. Frage dich am Abend: „Wem oder was habe ich heute gedient, bewusst oder unbewusst?“
Oder nutze ein kraftvolles Sanskrit-Mantra für die Verbindung zu deiner Seele in diesem kostenfreien Mini-Kurs.
healthstyle
Über den Autor Dr. med. Holger C. Bringmann:

PD Dr. med. habil. Holger C. Bringmann ist Psychiater, Arzt für Naturheilverfahren, ayurvedischer Lebensstilberater und Meditationslehrer. Seine Habilitation an der Charité Universitätsmedizin unterstreicht sein wissenschaftliches Engagement. Über zwanzig Jahre spirituelle Praxis und transformative Jahre in Indien prägen seine tiefe Verbindung zur Wissenschaft der Seele.
Kontakt: https://neue-medizin-der-seele.de/
Beitrag-Foto: © canva.com










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